Zum Inhalt springen
  • Blätter für Heimatkunde 50 (1976) – Historischer Verein für Steiermark

     

    Die vier Brückenheiligen in Vogau

    Von Josef Wiedner

    Von den vier Brückenheiligen in der Gemeinde V o g a u stehen zwei an der Murbrücke bei Ehrenhausen, zweieinhalb Meter hohe Gestalten, darstellend den hl. Johannes von Nepomuk und den hl. Nikolaus, der auch Schutzpatron der Schiffer ist. Die Schiffahrt auf der Mur spielte vom 13.Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts eine wichtige Rolle; durch den Bahnverkehr verlor die Wasserstraße ihre Bedeutung. Flußabwärts wurden auf Plätten und Flößen hauptsächlich Eisen und Salzbefördert, flußaufwärts zogen Pferde auf dem sogenannten Treppelweg mit Wem, Getreide und Honig beladene Schiffe. Die Landeplätze hießen Lend, einen solchen gab es auch in Ehrenhausen. Geschäftstüchtige Kaufleute verfrachteten die Güter nach Süden und Osten. Der Umschlagplatz legte auch den Eggenbergern zum Teil den Grund zu ihrem Reichtum. Das alte Salzhaus stand an der Stelle des heutigen Bahnhofes; so erklären sich auch die Hausnamen Salzleger, Salzknecht und Salzhansl in Vogau.

    Im Jahre 1730 ersetzte Maria Charlotte Fürstin von Eggenberg, Herrin auf Ehrenhausen, die aus dem 16.Jahrhundert stammende Fähre durch eine Brücke; sie war aus Holz gebaut und überdacht. Über diese Murbrücke vollzog sich einst der große Verkehr Wien—Graz—Triest. Diesen Weg benützten auch Kaiser Karl VI. und Maria Theresia sowie Papst Pius VI., als er zu Kaiser Josef II. nach Wienreiste. An beiden Brückenenden stand ein schöner Torbogen; der eine befindet sich heute am Beginn der Allee, die zum Schloß Ehrenhausen führt, der andere beim sogenannten Georgischlößl. Sowohl die Torbogen als auch die Brückenheiligen tragen das Wappen der Eggenberger (drei Raben) und der Grafen Leslie (drei Gürtelschnallen). Maria Charlotte Herzogin von Krumau und Fürstin von Eggenberg, Witwe nach Johann Anton von Eggenberg, verwaltete die Herrschaft Ehrenhausen als Fruchtnießerin von 1727 bis zu ihrem Tode 1754, worauf ihre Tochter Theresia Gräfin Leslie folgte, die 1776von ihrem Sohne Anton Graf Leslie beerbt wurde.

    Eigenartig wirken die Brückenheiligen Nepomuk und Franz Xaver (der auch als Pestheiliger verehrt wurde) an der Gemeindegrenze von St. Veit am Vogau, denn hier gibt es heute weder eine Brücke noch einen Wasserlauf. Eine Mappe der Josefinischen Landaufnahme von 1784 zeigt jedoch Brücke und Bach. Dieser floß von Wagendorf in Richtung Seibersdorf und wurde als so seicht geschildert, daß er allerorten durchwatet werden konnte. Das Wasser ist längst versiegt und die ältesten Einheimischen können sich nicht daran erinnern.

    Als Erbauer der vier Brückenheiligen ist wohl die Fürstin Maria Charlotte anzusehen, denn obwohl ihre beiden Töchter im Testament ihres Gatten als Erbinnen eingesetzt waren, so führte sie doch als Fruchtnießerin die Verwaltung der Herrschaften Straß und Ehrenhausen (1727—1754). Auch läßt ihr frommer Sinn darauf schließen. So verfügte sie in ihrem Testament, daß für ihr Seelenheil nicht weniger als 2000Messen gelesen werden sollten!

     

    Der hl. Nepomuk war nach seiner Heiligsprechung im Jahre 1729 zu einem der beliebtesten Heiligen in Osterreich geworden; so wurde er auch zum Schutzheiligen der Diözese Seckau. Der Böhmenkönig Wenzel hatte einen Konflikt mit dem Erzbischof von Prag und verfolgte Johannes von Nepomuk, weil dieser als Generalvikar die Interessen des Erzbischofs vertrat und nicht nachgeben wollte. Er ließ ihn in den Kerker werfen und foltern und, weiter trotzdem fest blieb, im Jahre 1393indie Moldau stürzen, wo er ertrank. Aus dieser Tatsache entstand eine fromme Legende. Danach war der Domherr Johann von Nepomuk Beichtvater der Königin Johanna. Von ihm wollte der Königerfahren, welche Sünden siegebeichtet habe. Da der Priester trotz schwerster Mißhandlungen das Beichtgeheimnis nicht verletzte, ließ ihn König Wenzel von der Prager Brücke in die Moldau werfen, wo er den Tod fand. Der Heilige gilt als Schutzpatron der Brücken.1)

    Die Murbrücke von Ehrenhausen wurde 1886 durch einen Eisstoß schwer beschädigt und mußte 1892 erneuert werden. Die jetzige Brücke aus Beton und Eisen wurde 1939 erbaut. Der Fuhrwerksverkehr von Ehrenhausen über Platsch nach Marburg und Triest nahm 1820 ein Ende, denn die Commercialstraße wurde von Landscha über Straß nach Spielfeld verlegt, sie hieß dann Landes- und später Reichsstraße und führt heute den Namen Bundesstraße 67.Die Landesstraße Nr. 140, die ehemals die wichtigste Zubringerstraße zur Murbrücke war, verläuft rund 500Meter durch die Gemeinde Vogau. Unweit der Brücke steht am linken Ufer noch das Mauthaus, in dem der Mauteinnehmer wohnte. Freifrau von Lutteroth erwarb es und vermachte es der Schule in Ehrenhausen.

    1) Über die Verehrung Johannes Nepomuks in der Steiermark bereits vor seiner Heiligsprechung siehe: F . P o s c h , Die Anfänge der Johannes-Nepomuk-Verehrung in den Ostalpen. ZHVSt. Sb. 11, Festschrift f. Hanns Koren, Graz 1966, S. 62 ff.